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AKE Biberach
Arbeitskreis Entwicklungspolitik Biberach/Riss e.V.

Archiv 2024/25

150 Jahrte Matthias Erzberger
am Samstag, 20. September 2025

 

Rückseite

Neues aus Kamuli/Uganda

Experte informiert zum Projekt des AKE

Unter dem Titel „Ausbildung als Chance“ lädt der Arbeitskreis Entwicklungspolitik (AKE) am Freitag, 11. Oktober, 19.30 Uhr zu einer öffentlichen Veranstaltung in die Theaterkneipe „Applaus“ der Biberacher Stadthalle über sein Partnerprojekt Kamuli im ostafrikanischen Uganda ein. Es spricht Roland Strux von der international aktiven Hilfsorganisation „Don Bosco Mondo“ aus Bonn, über die das Projekt, ein Berufsbildungszentrum für Jugendliche, gefördert wird.

Dort werden junge Frauen und Männer in verschiedensten Fachbereichen für ihr weiteres Leben ausgebildet, z. B. zu Schneiderinnen, im Friseurhandwerk, für die Gastronomie, die Landwirtschaft, in Berufen des Bauhandwerks, der KFZ- und Elektrobranche oder in der Solartechnik. Welche Erfahrungen wurden bisher damit gemacht? Sind die erwünschten Fortschritte eingetreten, aber auch welche Probleme sind aufgetreten und wie lassen sie sich lösen? Auf solche und ähnliche Fragen dürfen Antworten erwartet werden. Zugleich dürfte Näheres über die zum Teil recht schwierigen Lebensverhältnisse in dem ostafrikanischen Land zur Sprache kommen. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.

Schwäbische Zeitung
28. September / 01. Oktober 2024

 

Danke Bärbel!

Unsere Welt zwischen Krisen und Chancen

Ausstellung visueller Denkanstöße von Christoph Schmid im Rathaus Biberach

Vom 2. bis zum 30. September 2024 ist im Foyer des Biberacher Rathauses die Ausstellung „Unsere Welt zwischen Krisen und Chancen“ zu sehen. In ihr werden ausgewählte Impulsgrafiken des Laupheimers Christoph Schmid präsentiert, die insbesondere Themen des Verhältnisses von Entwicklungs- und Industrieländern, aber auch zur globalen Ökologie- und Friedensproblematik künstlerisch ins Bild setzen und somit zu vertieftem Nachdenken anregen. Es wird deutlich, wie die meisten der visuellen Denkanstöße, die zu öffentlichen Veranstaltungen des Arbeitskreises Entwicklungspolitik (AKE) in den vergangenen Jahrzehnten von Schmid gestaltet wurden, nach wie vor beeindruckend aktuell sind. Etwa halbstündige Führungen mit ihm, werden voraussichtlich –  eventuelle Bekanntgaben der Lokalpresse beachten - am Montag, 2. September, 16 Uhr, Samstag, 14. September, 11 Uhr und Montag, 30. September, 16 Uhr angeboten. Eintritt ist frei.

Botschaft zum Hiroshimagedenken gegen Vergessen und
pathologisches Lernen

Geopolitische Konflikte beherrschen gegenwärtig Debatten über Krieg und Frieden; statt in Abrüstung wird in Rüstungsmodernisierung, auch in Aufrüstung im Nuklearbereich investiert. Verträge über Nukleare Rüstungskontrolle als notwendige, wenn auch nicht zureichende Sicherheitsplanken wurden gekündigt. Vergessen scheint die Erfahrung, dass Akteure in Spannungen und kriegerischen Konflikten immer deren Eigendynamik unterschätzen; überheblich wähnen die Akteure, das Kriegsgeschehen immer unter ihrer Kontrolle zu haben. Die Katastrophe vor Ort in Hiroshima und Nagasaki vor 79 Jahren erinnert daran, dass 1945 das weltweite Entsetzen über beispiellose Zerstörungen einen grundlegenden Gesinnungswandel angemahnt hat; der Atomwaffenverbotsvertrag hat ihn bestätigt.
Nukleare Rüstung schützt nicht vor Kriegen. Erklärte und nicht erklärte Atommächte haben das immer wieder vorgeführt. Vielmehr lenkt eine immer weiter aufgefächerte Nuklearrüstung davon ab, dass Fehlalarme zu einem „nicht gewollten“ Nuklearkrieg führen können und dass jede Aufrüstung und jeder Krieg den alle Menschen bedrohenden Klimawandel verschärfen: Dieser entzieht vielerorts schon in der Gegenwart, besonders aber den nächsten Generationen die Lebensgrundlagen auch ohne Krieg. Statt aufzurüsten gilt es friedenspolitisch Sinnvolles zu tun: die Stärkung der (über)regionalen und universalen Institutionen, dies auch durch Initiativen der Zivilgesellschaft, durch einen realen Abbau sozioökonomischer Ungleichheiten und die Beachtung der gleichen Würde aller Menschen.

Dieter Senghaas und Eva Senghaas-Knobloch

Leserbrief zum Leitartikel von Robin Halle

Mehr Geld hilft allen

Schwäbische Zeitung vom 18. Juli 2024, S. 1

Gegen Ärmste sparen ist nicht okay!

„Völlig okay“ ist es für Robin Halle, wenn beim ohnehin nicht zu üppigen und schon reduzierten Entwicklungsetat nochmals massiv gekürzt und so der auch aus christlicher Verantwortung gebotenen Solidarität mit viel ärmeren Menschen eine Absage erteilt wird! Dazu passt es auch, dass Halle mit dem inzwischen vielfach demagogisch missbrauchten und unseriösen Totschlagwort „von Radwegen in Peru“ Entwicklungszusammenarbeit pauschal dem falschen Verdacht sinnloser Verschwendung aussetzt – ungeachtet, dass Entwicklungsprojekte vielfältig dazu beitragen, friedensgefährdendes Massenelend zu verringern, Fluchtursachen abzubauen, Umweltbedingungen und Bleibe-Perspektiven zu verbessern. Selbst wenn die Haushaltslage zum Sparen zwingt und es auch bei uns inzwischen mehr Armut gibt, sollte nicht vergessen werden, dass Deutschland nach wie vor zu den reichsten Ländern der Welt gehört. Es ist nicht nur bedenklich, sondern im längerfristigen Eigeninteresse auch kurzsichtig, wenn es leichtfertig als richtig dargestellt wird, auf dem Rücken der Ärmsten zu sparen.

Alfons Siegel
Maselheim

Friedensgutachten 2024 wird vorgestellt

Impulse und Orientierung für Basisarbeit 

Mit dem Gaza-Krieg, der fortgesetzten Aggression Russlands gegen die Ukraine, Militärputschen und dschihadistischer Gewalt in Afrika haben sich globales Konfliktgeschehen und sonstige Probleme verschärft. Im Friedensgutachten 2024 der vier führenden deutschen Forschungsinstitute sind sie analysiert, und es werden konkrete Handlungsempfehlungen für die Politik gegeben, um Gewaltspiralen leichter zu durchbrechen und Problemlösungen möglicher zu machen. Bei der öffentlichen Veranstaltung von Arbeitskreis Entwicklungspolitik (AKE) und Friedensbündnis Biberach am Donnerstag, 4. Juli 2024, 19.30 Uhr im großen Saal des Gemeindezentrums St. Martin in Biberach (Kirchplatz 3-4) wird das Gutachten anhand ausgewählter Kernaussagen in Grundzügen von Ludger Semmelmann und Dr. Alfons Siegel präsentiert, aber auch zur Diskussion gestellt. Damit können nicht zuletzt der Friedensarbeit an der Basis hilfreiche Impulse und Orientierungen vermittelt werden, um zu einer friedlicheren Welt beizutragen. Eintritt ist frei.

Antworten von Kandidaten/Kandidatinnen der Region zur Wahl für das Europaparlament auf die Fragen des AKE Biberach:

Die Fragen gingen am 13. bzw. 14. April 2024 per E-Mail an Herrn Norbert Lins MdEP (CDU), Herrn Prof. Dr. Steffen Reik (SPD), Herrn Stephan Volkmer (FDP), Herrn Michael Bloss MdEP (Bündnis 90/Grüne), an die zuständige Adresse der Partei Die Linke und an die zuständige Adresse der AfD.

Die bisher erhaltenen Antworten werden hier nachfolgend in der Reihenfolge ihres Eintreffens vollständig zur Kenntnis gegeben:

Stephan Volkmer  (FDP), 28.04.2024
< Antworten als PDF >

Prof. Dr. Steffen Reik (SPD), 28.05.2024
< Antworten als PDF >

Portrait von Steffen Reik

Norbert Lins (CDU), 29.07.2024
< Antworten als PDF >

Norbert Lins MdEP

Rede bei der Karfreitagsmahnwache am 29. März 2024 in Biberach an der Riß

Alfons Siegel

Vorläufige Lehren aus Ukraine- und Gaza-Krieg

Ich will dazu fünf Grundgedanken vortragen und diese jeweils kurz erläutern.

Zum ersten Gedanken: Was ist meine Ausgangsüberlegung? Es ist die folgende:

Der Ukraine-Krieg stellt uns vor das Dilemma, Übel abzuwägen und uns für das wahrscheinlich kleinere zu entscheiden! 

Ein Verzicht auf militärische Unterstützung zur Verteidigung der Ukraine würde ihr Ende als selbständiger Staat und die Auslieferung ihrer Bevölkerung unter Putins Gewaltherrschaft bedeuten. Dies und ein schneller Erfolg Russlands wurde mit Militärhilfe zwar verhindert - aber um den hohen Preis von unzähligen Todesopfern, Verwundeten und großenteils für ihr Leben körperlich und seelisch gezeichneten Menschen sowie sehr schlimmen materiellen Zerstörungen. Die Verweigerung militärischen Beistands würde aber von den meisten Ukrainern (immer noch) als unterlassene Hilfeleistung empfunden; andernorts könnten Autokraten ermutigt werden, ebenfalls ihr Militär gegen Schwächere einzusetzen. 

Mein zweiter Gedanke: Er betrifft militärische Verteidigung und Gewaltfreiheit

Auch wenn es immer wieder Fälle gibt, in denen auf militärische Verteidigung nicht verzichtet werden kann, müssen weiter Alternativen erkundet werden! 

Über die situationsbedingte Notwendigkeit militärischer Verteidigung darf die Erwägung und Entwicklung gewaltfreier Alternativen nicht verschüttet werden. Außer der Unterstützung rechtmäßiger militärischer Verteidigung durch Waffenlieferungen bleibt es wichtig, gewaltfreie Möglichkeiten sozialer Verteidigung sowie Erfahrungen damit genauer zu erforschen und weiter zu entwickeln, auch um herauszufinden, in welchen Fällen gewaltfreie Verteidigungsstrategien erfolgversprechend sein könnten (Hinweis auf Richard Bösch). Dies ist mindestens als Fern-Vision eine der Herausforderungen für Friedensarbeit. Gerade heute am Karfreitag, wenn an den erinnert wird, der Gewaltlosigkeit bis zum Tod am Kreuz durchgehalten hat, sollte das m. E. nicht vergessen werden! Ich denke, das wäre auch im Sinne von Roland Groner, der hier noch vor einem Jahr zu uns gesprochen hat.

Mein dritter Gedanke: Zu militärischer Abschreckung und ihrer Ambivalenz: 

Abschreckung erscheint derzeit unumgänglich, riskiert aber auch friedensschädliche Nebenwirkungen und ist deshalb durch Diplomatie zu flankieren! 

Auch wenn es jetzt unvermeidlich erscheint, wieder verstärkt auf militärische Abschreckung zu setzen, darf nicht ignoriert werden, dass sie eine Droh- und Vergeltungsstrategie ist, die – ähnlich eines auf Dauer schädlichen Medikaments – nicht ohne gefährliche „Risiken und Nebenwirkungen“ bleibt. So können mit Abschreckung Feindbilder und Rüstungswettläufe verstärkt oder sogar erzeugt werden, weil auch ein zur Verteidigung bestimmtes Militär von der Gegenseite anders verstanden und fehlinterpretiert werden kann. Mit der möglichen Eigendynamik militärischer Verteidigung kann sie ihren Defensivcharakter verlieren und dann eskalierend wirken. Abschreckung ist also zweischneidig, sie hält in der Regel zwar potenzielle Aggressoren von Gewaltanwendung ab, kann aber auch dazu beitragen, dass Kriegsrisiken wider Willen verschärft werden. Die Zeit, die Abschreckung im günstigen Fall verschafft, muss daher politisch-diplomatisch genutzt werden, um zivilisierte Konfliktregelung vorzubereiten, Feindbilder abzubauen und Rüstung international zu begrenzen! 

In meinem vierten Gedanken will ich Gefahren einer Militarisierung aufzeigen: 

Auch wenn militärische Verteidigung und ihre Unterstützung notwendig sind, bergen sie Gefahren, die erkannt und eingegrenzt werden müssen! 

Selbst gerechtfertigte militärische Verteidigung, wie die der Ukraine, Waffen- und Munitionslieferungen dazu sind mit Risiken der Militarisierung betreffender Gesellschaften verbunden. Dies kann dazu führen, dass vorwiegend nach militärischer Logik gedacht sowie gehandelt wird, anstatt politische, psychologische, wirtschaftliche und historische Gesichtspunkte hinreichend mit zu berücksichtigen und diplomatischen Bemühungen die notwendigen Spielräume zu verschaffen oder zu erhalten. Deshalb ist bei militärischer Verteidigung und ihrer Unterstützung darauf zu achten, dass sie sich nicht eskalierend gegen den grundsätzlichen Defensivcharakter verselbständigen, sondern im Sinne des Primats der Politik demokratisch kontrolliert erfolgen und Friedensdiplomatie nicht blockieren.

Der 5. Gedanke beschäftigt sich mit der Frage der Solidarität mit Israel und lautet: 

Der Hamas-Überfall fordert verstärkte Solidarität mit Israel, aber auch deutliche Kritik an seinem unverhältnismäßigen Vorgehen im Gazastreifen! 

Die nach dem Überfall von Hamas-Kämpfern verstärkt gebotene Solidarität mit Israel und die Bekräftigung seines Verteidigungsrechtes dürfen nicht dazu führen, dass sein unverhältnismäßiges Vorgehen in Gaza von deutscher Kritik verschont bleibt! Israel, dem Schlimmstes angetan wurde, ist aber mit seinem überzogenen - primär von militärischer Logik bestimmten - Vorgehen dabei, unzähligen schuldlosen Menschen im Gaza-Streifen schlimmstes Leid zuzufügen und sich so selbst ins Unrecht zu setzen! Je länger ein das Elend vergrößernder Militäreinsatz im Gaza-Streifen dauert, umso mehr wird Israel isoliert und auch seine Sicherheit gefährdet, nicht zuletzt, weil zusätzlich Hass gesät und der Nährboden für Gewalt buchstäblich „gedüngt“ wird. Israels Existenz, wird am ehesten gesichert, wenn auch die Palästinenser im Nahen Osten gleichberechtigt und in Würde leben können. Von Deutschland sollte Israel stärker gedrängt werden, glaubwürdig auf Befriedung mit Palästinensern hinzuarbeiten, anstatt ihr durch völkerrechtswidrige Handlungen Boden zu entziehen. Die Hamas muss nicht - wie Israels derzeitige Führung verkündet - vernichtet, sondern international stärker gedrängt werden, die Geiseln freizugeben und endlich auch Israels Existenzrecht anzuerkennen.

Solidarität mit Israel muss also kritische Solidarität sein – ganz im Sinne des israelischen Historikers Moshe Zimmermann, der in seinem Buch Niemals Frieden? Israel am Scheideweg mit folgenden Worten dazu gemahnt hat:

„Wenn die deutsche Regierung das Bekenntnis zu Israels Sicherheit als Staatsräson ernst nehmen will, muss sie auch einen Konflikt mit Israels Regierung in Kauf nehmen.“ 

Süddeutsche Zeitung
28./29. März 2024

Schwäbische Zeitung
17. Februar 2024

Schwäbische Zeitung
10. Januar 2024

Schwäbische Zeitung
09. Januar 2024